Die Stimme von Hind Rajab

The Voice of Hind Rajab

Regie: Kaouther Ben Hania
Mit: Saja Kilani, Motaz Malhees, Clara Khoury

TUN/FRA 2025 | 89 min

OmU

 Die Stimme von Hind Rajab© Polyfilm
 Die Stimme von Hind Rajab© Polyfilm
 Die Stimme von Hind Rajab© Polyfilm
 Die Stimme von Hind Rajab© Polyfilm
 Die Stimme von Hind Rajab© Polyfilm

Rezensionen

Jänner 2024. Freiwillige des Roten Halbmonds erhalten einen Notruf. Ein 6-jähriges Mädchen ist in einem unter Beschuss stehenden Auto in Gaza gefangen und fleht um Rettung. Während sie versuchen das Gespräch aufrecht zu erhalten, tun sie alles, um ihm einen Rettungswagen zu schicken. Der Name des Mädchens war Hind Rajab.

Der neue Film von Kaouther Ben Hania (OLFAS TÖCHTER) war „der Film der Stunde“ (Der Standard) bei den Filmfestspielen von Venedig. THE VOICE OF HIND RAJAB wurde nach der Premiere mit rekordverdächtigen 23 Minuten Standing Ovations gefeiert und mit dem  Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Der Spielfilm, der auf echten Telefonaufzeichnungen eines realen Falls basiert, gilt jetzt als großer Oscar-Favorit.

„Selten hat mich ein Film in ähnliche Zweifel gestürzt wie THE VOICE OF HIND RAJAB, und selten war ich aufgewühlter. Nach der Premiere in Venedig wurde dem Film vorgeworfen, dass er manipulativ sei und eine einseitige Sicht auf die Schrecken in Gaza werfe. Dieser Vorwurf ist so richtig wie überflüssig, weil man ihn letztlich gegen jeden Film erheben kann, der Partei ergreift. Die Zumutung von HIND RAJAB liegt darin, auf der Tonspur die echte Stimme eines Mädchens, das stundenlang vergeblich um sein Leben fleht, mit einer dramatischen Spielhandlung rund um die Mitarbeiter*innen einer Rettungszentrale zu verbinden, die nur ohnmächtig zuhören, aber nicht helfen können.
Das Leid in den zahllosen Konfliktregionen dieser Welt wäre ohne Selbstschutz aus Darüberhinwegsehen und Abgestumpftheit wohl kaum zu ertragen. In den letzten Jahrzehnten waren es hauptsächlich Fotos, die einen Schock auslösten und die emotionale Panzerung der Menschen durchbrachen, egal ob es das schreiende Mädchen in der Napalm-Hölle von Vietnam war oder der dreijährige Syrer Alan Kurdi, der 2015 tot am Strand lag.
Im Gegensatz dazu verdichtet das Tondokument eines Sterbenskampfes das dahinterliegende Drama nicht auf einen einzelnen symbolträchtigen Moment, sondern macht uns zu unfreiwilligen Voyeuren sich grausam dahinziehender Qual. Damit und in Kombination mit der Spielhandlung überschreitet der Film absichtsvoll die Grenze der Pietät gegenüber einem toten Kind. Das Unbehagen, das wir empfinden, ist die Stärke und die Achillesferse dieses Films. Man fühlt sich – zur Recht – manipuliert und muss sich zugleich eingestehen, dass man gezwungen wird, dorthin zu schauen, wo es richtig weh tut. Ob man sich dem aussetzen will und ob diese Art der Emotionalisierung legitim ist, muss wohl jeder für sich entscheiden – sowohl in ästhetischer als auch in politischer Hinsicht.
Wir halten es für wichtig, den Film zu zeigen und würden uns einen geschärften Blick darauf wünschen, dass alle Grausamkeiten, die in einer Abfolge von Gewalt und Gegengewalt, von Wut, Vergeltung und Radikalisierung begangen werden, auf dem Rücken der Schwächsten und Schutzlosesten ausgehen; zu Lasten von Kindern, denen – falls sie überleben – die Hoffnung auf Frieden und Versöhnung gründlich ausgetrieben wird.“

Michael Stejskal, Geschäftsführer Votiv Kino

 

Ab
30. Januar |
Spielzeiten und Tickets von Die Stimme von Hind Rajab

* Änderungen vorbehalten. Programm wird laufend aktualisiert.