Vesna (Frühling)
UdSSR 1947. Regie und Drehbuch: Grigorij Aleksandrov, Kamera: Yuri Yekelchi. Mit: Lyubov Orlova, Nikolai Cherkasov, Nikolai Konovalov (s/w, 104 min, russ. OFmdU)
Die bis in die Nebenrollen fabelhaft besetzte Verwechslungskomödie erzählt eine ausgefallene Geschichte, wie eine überlastete Schauspielerin, die eine Rolle bei einer Operette hat und gleichzeitig in einem Film eine Physikerin spielen muss, die Lebensvorlage ihrer Filmrolle dazu bringt, sie im Filmstudio als Schauspielerin zu doubeln. Die Wissenschafterin, eine Koryphäe in der Erforschung von Energie am Sonneninstitut stellt sich also selbst dar, indem sie die Rolle der Schauspielerin spielt. Diese mehrschichtige Reflexion zu den verschiedenen Ebenen von Fiktion und Realität, zu Objekt und Subjekt, wird durch den sichtbaren Einfluss amerikanischer Revuefilme auf die Tanznummern des Bolschoi-Balletts zu einer derart gelungenen Kulturmischung, dass der Film nicht nur 1947 in Venedig für das beste Originaldrehbuch ausgezeichnet wurde, sondern gerade in jüngster Zeit auf zahlreichen Festivals wieder „neu“ entdeckt wird.
Nicht zufällig entstand dieser Film nach einem USA-Besuch des ehemaligen Eisenstein-Regieassistenten. Die heute oft humorig wirkende Darstellung einer überbürokratisierten Gesellschaft mag strengerer Zensur entkommen sein, weil Grigorij Aleksandrov auch der Regisseur von Stalins angeblichem Lieblingsfilm Wolga-Wolga (1938) gewesen ist. Lyubov Orlova gilt als der weibliche Star des frühen sowjetischen Nachkriegsfilms und ist Aleksandrovs Frau.
Donnerstag, 27. 11. 2008, 18.30 Uhr
