Die Frau im Mond

Die Frau im Mond

D 1928/29. Regie: Fritz Lang, Drehbuch: Thea von Harbou, Kamera: Curt Courant, Otto Kanturek, Oskar Fischinger, Konstantin Tschetwerikoff. Mit: Willy Fritsch, Gustav von Wangenheim, Gerda Maurus, Klaus Pohl, Fritz Rasp (s/w, stumm, 168 min)

Angélica Castelló: Blockflöten, Plattenspieler, Elektronik
Dieb 13: Plattenspieler, Grammophon, Elektronik
Burkhard Stangl: Gitarren, Vibraphon, Elektronik
Christina Bauer: Tontechnik

Der silbern glänzende Mond birgt Gold. Grund genug für eine Weltraum-expedition, die neben dem Wissenschafter mit der Idee (Klaus Pohl) einen Flugwerftbesitzer (Willy Fritsch), einen Ingenieur (Gustav von Wangenheim) für die Konstruktion des Raumschiffs „Friede“ und die mit ihm verlobte Astronomin, ebenfalls mit Namen Friede (Gerda Maurus), auch den vom Weltgoldkonsortium beauftragten Bösewicht (Fritz Rasp) und den jungen Gustl als blinden Passagier an Bord hat. Nach kritischen Momenten bei Flug und Landung kommt es in der weißen Landschaft des Trabanten zu den programmierten Konflikten um Gold, Wasser, Sauerstoff, Liebe und Heldentum. Schließlich bleibt das wahre Liebespaar am Mond zurück, während zwei Überlebende mit letzter Sauerstoffreserve zur Erde zurückfliegen.

Mag sein, dass das Handlungsende damit zu tun hat, dass die Drehbuchautorin Thea von Harbou, die Ehefrau Fritz Langs, die Hauptdarstellerin tatsächlich auf den Mond schießen wollte, war die österreichische Schauspielerin Gerda Maurus doch die damalige Geliebte von Lang. In jedem Fall hat sie jedoch ihre Nebenbuhlerin mit einer der ersten Darstellungen einer Wissenschafterin im Film verewigt. Kein Geringerer als Hermann Oberth (Vater der deutschen Raumfahrt und später maßgeblich am Bau der V1 beteiligt) half als Konsulent mit, dem Publikum diesen Mondflug zumindest technisch plausibel erscheinen zu lassen.

Donnerstag, 27. 11. 2008, 20.30 Uhr

 

Der Stummfilm war niemals stumm

Bis zum Beginn des Filmverleihs waren die Stummfilmvorführungen eingebettet in Varieté- und Jahrmarktsveranstaltungen, der Verlauf der Plots wurde live kommentiert, war in Musik und Geräuschkulissen eingebettet, mit Klavier-, Pianola-, Orchester- oder Grammophon-Begleitung.
Der wirklich stumme Stummfilm beginnt erst mit den experimentellen Filmarbeiten in der Tonfilmära. Die Aufgetrenntheit der beiden Medien – Stummfilm und Musik –, die erst mit Tonfilm verschwand, lädt dazu ein, was sich Sergej Eisenstein schon erträumt hatte: Zu seinen Stummfilmen sollte in jeder neuen Ära die jeweils neue aktuelle Musik erklingen und somit neue Bedeutungszusammenhänge stiften.
Hatte ich bislang insbesondere mit experimentellen Video- und FilmkünstlerInnen zusammengearbeitet wie z.B Ernst Schmidt Jr., Billy Roisz oder Gustav Deutsch, mache in den letzten Jahren vermehrt Musik zu Stummfilmen (u.a. À Santanotte, Napoli è una canzone, Die freudlose Gasse), zumeist im Ensemble und in unterschiedlichsten Kombinationen mit meinen KollegInnen Angélica Castelló, Olga Neuwirth oder Dieb13. Hierbei werden definierte, über die Filmbetrachtung destillierte Klangmodule als Ausgangspunkt für unsere Improvisationen verwendet.
Burkhard Stangl

Angélica Castelló geboren und aufgewachsen in Mexiko City, Blockflötenstudium in Montreal und Amsterdam, Schwerpunkt neue Musik. Unterrichtet, komponiert und experimentiert in Österreich und Mexiko. Mitglied zahlreicher Ensembles. Sie organisiert die Konzertreihe Neue Musik in St. Ruprecht. Lebt seit 1999 in Wien.

Dieb13 geboren 1973 in Graz als Dieter Kovacic. Zählt neben Christian Marclay und Otomo Yoshihide zu den weltweit bedeutentsten Turntablisten. Experimentiert mit Vinylschallplatten sowie mit digitalen Audioformaten und Visuals. Zahlreiche CD-Veröffentlichungen. Betreibt die MusikerInnen-Internetplattform klingt.org. Lebt in Wien.

Burkhard Stangl Gitarre, Komposition, Elektronik. Arbeitet in den Bereichen experimentelle Improvisation, elektronische und neue Musik. Über 50 CD-Veröffentlichungen. Film- und Videomusik u.a. für Ernst Schmidt Jr., Gustav Deutsch und Billy Roisz. Lebt in Wien.