Wissenschafterinnen im Film

Madame Curie

Eine Woche lang begegnen wir Wissenschafterinnen im Film. Manche von ihnen sind uns vertraut, erhalten aber im Festivalkontext eine neue, spannende Lesart, manche sehen wir das erste Mal. In jedem Fall aber werden uns die Filmschau und die einleitenden Referate der realen Kolleginnen der Filmheldinnen so sensibilisieren, dass wir Brillenspiele und Labormäntel mit Stöckelschuhen nicht mehr als Zufälle abtun. Die häufige Marginalisierung und Sexualisierung wissenschaftlicher Kompetenz von Frauen wird sichtbarer. Verschiedene Frauenfiguren lassen ihre filmischen Rollenstereotypien erkennen und entlarven so Klischees oder liefern role-models, die uns die Situationen von Wissenschafterinnen in vielen Spielfilmen aus verschiedenen Epochen und Genres – nicht nur auf der Leinwand – nachvollziehen lassen.

Von Fritz Langs Stummfilm Die Frau im Mond mit prominent besetzter Live-Musik (Angélica Castelló, Dieb13 und Burkhard Stangl) bis zum weitaus jüngeren Psycho-Thriller Das Experiment, von Biopic-Klassikern wie Madame Curie und Gorillas im Nebel bis zu erfolgreichen Fiction-Filmen wie etwa Contact mit Jodie Foster, Proof mit Gwyneth Paltrow oder Hitchcocks Spellbound.

Die Vielfältigkeit ist gesichert, wenn Gena Rowlands als Philosophie-Professorin in Another Woman auf Kate Reid, die grantige, kettenrauchende Mikrobiologin im Sci-Fi-Thriller The Andromeda Strain und auf Louise Fletcher als Neurologin in Brainstorm von Special-Effects-Meister Douglas Trumbull trifft. Raritäten wie die russische Musikkomödie Vesna des Eisenstein-schülers Aleksandrov, ein Late-Night-Horror-Special mit dem schaurig-witzigen Ameisen-Katastrophenfilm Them! aus den 50er Jahren, eine Kinder-Nachmittagsvorstellung des norwegischen Ikke Naken (Die Farbe der Milch), aber auch feministische Perspektiven der Multimedia-künstlerin Lynn Hershman Leeson (Conceiving Ada) und der Independent-Filmemacherin Sally Potter (Yes) sind zu sehen, genauso wie eine Arbeit der Avantgarde-Performance-künstlerinnen Mara Mattuschka und Gabriele Szekatsch. Ein Vortrag der Soziologin Eva Flicker beschäftigt sich anhand zahlreicher Filmbeispiele mit den Rollenstereotypen von Wissenschafterinnen im Film.

Die Filmschau ist ein cineastisches Abschlussstatement des Wissenschaftsministeriums zu einem Jahr „Visibility Maßnahmen“, das nicht nur viele Filme, sondern auch unsere eigene, jahrzehntelang trainierte Perzeption kritisch hinterfragt.

Gute Projektion!

Wilbirg Brainin-Donnenberg
Kuratorin

Johannes Hahn, Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Zahlreiche BMWF-
Frauenförderungsprogramme tragen dazu bei, dass Frauen immer selbstverständlicher Positionen in Wissenschaft und Forschung besetzen. Ziel ist es auch, noch mehr Vertreterinnen der Wissen-schaft dort sichtbar zu machen, wo sie ebenfalls vertreten sein sollten: auf der öffentlichen Bühne. Immer schon hat das Medium Film dazu gedient, das Informations- und das Unterhaltungsbedürfnis gleichermaßen zu stillen. Auf diese Weise konnten gerade ernste oder scheinbar sperrige Themen vermittelt werden. Schließlich entwickeln wir als mediensozialisierte Menschen Lebensent-würfe und Vorstellungen auch im Austausch mit Bildern. Die Filmschau „Wissenschafterinnen im Film“ lässt erkennen, dass nicht nur in der Realität ein Ungleichgewicht in der medialen Präsenz von Wissenschafterinnen besteht, sondern auch in der Fiktion. Zwar wurde jüngst nach über 600 Jahren die erste Rektorin einer öffentlichen Universität in Österreich gewählt. Doch der Prozentsatz der Professorinnen ist deutlich zu niedrig. Erfreulich ist immerhin, dass zumindest eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist. In den letzten Jahren hat sich eine positive Entwicklung zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft eingestellt. Die gilt es nachhaltig zu stärken und zu beschleunigen, weil wir es uns nicht leisten können, auf die hervorragenden Beiträge von Frauen in der Wissenschaft zu verzichten.

Unsere Gesellschaft profitiert davon enorm.

Film bedeutet: bewegte Bilder, nicht Stillstand. Das gilt ebenso für die Position der Frau in der Wissenschaft. Mit dem Erreichten zufrieden zu sein, genügt nicht. Es muss vorwärtsgehen, damit ein „Happy End“ kommen kann.

Johannes Hahn
Bundesminister für Wissenschaft und Forschung