Immer wieder Neapel
Kurzfilmprogramm, 87 Minuten
Dieses Programm, das einen Bogen vom frühen Kino bis zu zeitgenössischen
Arbeiten spannt, widmet sich den vielfältigen Betrachtungsweisen, mit
denen man sich der Stadt am Vesuv nähern kann: Vom touristischen Blick
in den Travelogues des frühen Kinos, der mitunter als Fortsetzung barocker
Stadtveduten (zu sehen in der Ausstellung Unter
dem Vesuv) gelesen werden
kann, reicht das Programm bis zu Filmen, die sich fern der Klischees einer
Befragung der künstlerischen und historischen Bedeutung dieser Stadt
zuwenden.
Seit den Anfängen des Films ist Neapel widersprüchliche
Kulisse. Kaum eine ist schöner. Das schmauchende Wahrzeichen Vesuv kann
aber auch Lava speien und Asche regnen lassen; neben dem frühen Anspruch
an Dokumentation und Information begeisterte sich das Kino schon immer
für
Naturkatastrophen.
Neapel ist aber nicht nur Kulisse, sondern auch kunsthistorisches
Zentrum, zwischen barocker Lebenslust und urbanem Verfall. Hier wird die
Verbindung zwischen Kunst und Leben besonders spürbar.
NAPOLI
Frankreich,
ca. 1920, S/W, 13 Minuten
Der filmische Spaziergang eines scheinbaren Müßiggängers
entlang der berühmten Castelli an der Uferpromenade und durch großzügige
Parkanlagen endet zunächst in den engen, wäscheverhangenen Gassen
eines Arbeiterviertels. So als wäre nach diesem fast elegischen Sonntag
der unausweichliche Montag angebrochen, widmet sich der zweite Teil des
Travelogues mit unerwarteter Intensität der Darstellung der täglichen
Arbeit, die diese Stadt pulsieren lässt.
EXCURSION À LA GROTTE
D'AZUR
Frankreich 1910, S/W, 3 Minuten
Ein Juwel des frühen Kinos, der
Faszination der Stadt am Meer Rechnung tragend: Touristen an Bord der "Regina
Elena" – Neapel,
Sorrent, Capri. Attenzione, attenzione: "Zur Blauen Grotte kann man nur
im Ruderboot!"
NEUE AUSBRÜCHE DES VESUVS
Österreich 1936, Österreich
in Bild und Ton 16a36/4, S/W, 43 Sekunden
Das dramatische Naturschauspiel
des Auswurfs von Magma aus dem Vulkanschlot, dicke Rauch- und Aschewolken
und langsam hinabrinnende Lava wird in dieser Wochenschau in Szene gesetzt.
POMPEJI
AUS DER VOGELSCHAU
Österreich 1936, Österreich in Bild und
Ton 17b36/3, S/W, 43 Sekunden
Der Blick aus dem Flugzeug schwenkt über
die freigelegten Reste von Pompeji und zeigt das ungeahnte Ausmaß der
Stadt und ihrer Zerstörung aus ungewöhnlicher Perspektive.
DER VESUV
RAUCHT NICHT MEHR
Österreich 1968, Weltjournal 38/68-1, S/W, 1 Minuten
30 Sekunden
Auch der Nicht-Ausbruch des Vesuvs hat offenbar News-Wert.
Eine liebevolle Reportage bedauert fast, dass sie nicht über Lavaströme
und Erdstösse berichten kann. Touristen werden bei einem Kraterbesuch
trotzdem nicht enttäuscht.
NAPLES REVISITÉE PAR ERNEST PIGNON-ERNEST
Frankreich/Italien
1988, Farbe, 30 Minuten
Regie: Patrick Chaput, Laurence Drummond
Während die Fanfaren ertönen und sich die Prozessionen
der Karwoche durch die Strassen bewegen, begibt sich in diesem Dokumentarfilm
der französische Künstler Ernest Pignon-Ernest in der Barockstadt
auf die Suche nach geeigneten Hausmauern, auf denen er seine Collagen "caravaggesker" Körper
anbringen kann.
SOME CHANCE OPERATIONS
USA 1999, Farbe, 37 Minuten
Konzept
und Realisation: Renée Green
Ausgehend von der neapolitanischen Filmpionierin
Elvira Notari und ihren beeindruckenden Filmen, von denen heute nur noch
drei erhalten sind, stellt Green die Frage, wie Geschichte erzeugt und
betrachtet wird und wie Film als Gedächtnis funktionieren kann. Wer erinnert
sich an Notaris Filme? Welche Bedeutung hat Neapel im Leben der vielen
Gesprächspartner,
die Green interviewt? Ist es Wort, Erlebnis, Erinnerung, Projektion?
(Am
Sonntag, 28. 1. 2007 um 17.00 Uhr wird Elvira Notaris Film À Santanotte gezeigt.)
Vor der Vorstellung sind alle BesucherInnen zu einem Glas Prosecco
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