die klavierspielerin
la pianiste

Michael Haneke
Österreich/Frankreich 2001
Regie und Drehbuch Michael Haneke nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek Kamera Christian Berger Schnitt Nadine Muse, Monika Willi Musik Robert Schumann, Franz Schubert Mit Isabelle Huppert, Benoît Magimel, Annie Girardot, Susanne Lothar, Udo Samel, u. a. Produktion WEGA Film, MK2, Les Films Alain Sarde Produzenten Veit Heiduschka, Marin Karmitz Verleih in Österreich filmladen, der Verleih des VOTIV KINOS. Österreich/Frankreich 2001. 130 Minuten, Farbe, 35 mm/1 : 1,85/OmU, Dolby SRD
"DIE KLAVIERSPIELERIN führt einen Filmemacher auf der Höhe seiner Kunst vor." (Stefan Grissemann, Die Presse)

Gleich drei Hauptpreise gewann die österreichisch-französische Koproduktion DIE KLAVIERSPIELERIN von Michael Haneke beim Filmfestival Cannes 2001: Haneke selbst wurde mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, Isabelle Huppert und Benoît Magimel erhielten die Goldene Palme als beste Darstellerin bzw. als bester Darsteller. Dabei hatte Elfriede Jelinek lange gezögert, einer Verfilmung des Romans zuzustimmen. "Weil meine Prosa sehr sprachorientiert ist, Bilder also in der Sprache und durch die Sprache entstehen, konnte ich mir nicht vorstellen, wie Filmbilder irgendetwas Essentielles hinzufügen sollten. Andererseits wusste ich, dass ich nur mit einem Regisseur wie Michael Haneke, der seinen eigenen 'Bilderkanon' mit einem 'fremden' Text zusammenführen kann, arbeiten wollte."

Von "Zusammenarbeit" kann jedoch nur sehr bedingt die Rede sein. Haneke und Jelinek trafen einander vor den Dreharbeiten mehrere Male, "aber prinzipiell hat sie [Jelinek] sich bewusst rausgehalten. Sie hat nicht den Anspruch, der geistige Urheber dieser Sache zu sein." (Michael Haneke).

Haneke war sich der Schwierigkeit einer Jelinek-Adaption sehr bewusst: "Der Roman ist insofern filmisch, als die Struktur sehr linear ist und er sich dadurch auch zur Verfilmung eignet ' die sprachliche Form jedoch ist total ungeeignet. Das Wesen der Literatur der Elfriede Jelinek liegt nicht in ihren Geschichten, sondern in der Form, in der sie erzählt. Deswegen finde ich, sollte man den Film gar nicht als Literaturverfilmung betrachten, weil man Literatur, die genuin nur Literatur-Literatur ist, nicht verfilmen kann. Jelineks Sprache ist unübertragbar. Man muss mit filmischen Mitteln die gleiche Geschichte erzählen. Ich habe nicht das Buch verfilmt, sondern ich habe die Geschichte erzählt. Insofern ist es keine Literaturverfilmung."

"Michael Hanekes DIE KLAVIERSPIELERIN ist eine Verfilmung von Elfriede Jelineks Roman, aber das hilft bei der Beurteilung dieses herausfordernd direkten Films kein bisschen weiter. Denn einerlei, was man von Elfriede Jelinek hält und wie getreu der Film seiner Vorlage folgen mag, bleibt er ein irritierendes, beeindruckendes Kinoerlebnis. Das verdankt er vor allem seiner Hauptfigur, die von Isabelle Huppert mit beängstigender Perfektion verkörpert wird. Übrigens sind auch die übrigen Rollen glänzend besetzt, allen voran mit Annie Girardot als hysterisierte Mutter. Die Pianistin mit dem Doppelleben wird von Isabelle Huppert mit einer so kalten Sachlichkeit gespielt, dass es schwer fällt, diese Frau als krank zu empfinden. Am Schluss bleibt der Masochistin nur die rätselhafte Lust, sich selbst mit einem Messer zu verletzen. Der Zuschauer kann es nicht verstehen, aber vielleicht gibt es hier auch gar nichts zu verstehen. Vielleicht ist Fassungslosigkeit angesichts einer Tragödie sogar die angemessene Haltung. Michael Haneke, dessen Filme sonst nicht immer frei sind von Selbstgefälligkeit, zeigt diesmal eine vorbildliche Zurückhaltung. Sein Film ist eine Geste des Respekts vor dieser Frau, deren ganze Tragödie darin besteht, dass sie das Leben als Kontrolle missversteht." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"Isabelle Huppert spielt so, wie ich mir nicht hätte vorstellen können, dass man diese Figur spielen kann. Sie nimmt sich vollkommen zurück und ist dabei unglaublich präsent. Diese Mischung aus An- und Abwesenheit, aus Nähe und Distanz trifft genau die Figur." (Elfriede Jelinek)

"Es ist ja nicht wahr, dass - wie man sagt - mit Humor betrachtet alles viel weniger schlimm sei. Die Komik mildert den Schrecken nicht. Denken Sie an Thomas Bernhard. Oder warum heißen denn Tschechows Stücke alle 'Komödien'? Da schlag ich mir auch nicht dauernd auf die Schenkel. Sie sind nur so genau beobachtet, dass das Lächerliche an den Figuren und das Mitleid mit ihnen nicht zum Widerspruch wird. Das ist die hohe Schule, das Schwierigste. Das hab ich versucht: einen Film zu drehen, der zugleich komisch und scheußlich ist." (Michael Haneke)

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