before sunset
Richard Linklater USA 2003
Regie
Richard Linklater
Drehbuch
Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke
Kamera
Lee Daniel
Schnitt
Sandra Adair
Musik
Julie Delpy
Mit
Ethan Hawke, Julie Delpy, Vernon Dobtcheff, Louise Lemoine Torres, Rodolphe Pauly, Albert Delpy, Diabolo, Marie Pillet, u. a.
Produktion
Detour Filmproductions
Produzentin
Anne Walker-McBay
Verleih in Österreich
Warner. USA 2003. 80 Minuten, Farbe, 35 mm/1 : 1,85, OmU/Dolby Digital
BEFORE SUNSET, die konsequente und logische Fortsetzung von Richard Linklaters Sensationserfolg "Before Sunrise" (1995) ist die zeitlose Liebesgeschichte zweier Herzen, die auf der Suche sind: Was sie verbindet, ist jenseits von Raum und Zeit.
Anfang der neunziger Jahre kreierte Richard Linklater mit seinem Regiedebüt "Slacker" nicht nur das Genre des "Slacker-Movies", sondern prägte auch den Begriff des Herumhängers gleich mit. In seinem zweiten Film "Dazed and Confused", einer der besten High-School-Komödien aller Zeiten, ließ er die siebziger Jahre und den Glam-Rock fröhliche Urständ feiern und wurde (gemeinsam mit Jim Jarmusch und Steven Soderbergh) zum herausragenden Vertreter des unabhängigen amerikanischen Films. Den Durchbruch in Europa schaffte er dann mit "Before Sunrise", 1995 in Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Die Geschichte der Französin Céline und des Amerikaners Jesse, die einander im Zug nach Wien begegnen und sich in der Zeit bis zum nächsten Morgen spontan dem Augenblick hingeben, wurde von Richard Linklater mit einfachsten Mitteln erzählt, und doch zauberten er und seine beiden Hauptdarsteller Julie Delpy und Ethan Hawke geradezu magische Momente auf die Leinwand.
Am Ende von "Before Sunrise" standen Jesse und Céline auf dem Bahnsteig und versprachen einander, sich in sechs Monaten wieder zu sehen. Doch aus den sechs Monaten wurden neun Jahre. Jesse (Ethan Hawke) hat inzwischen ein Buch geschrieben und befindet sich auf einer Lesereise durch Europa. Sein letzter Termin führt ihn in eine Pariser Buchhandlung. Dort entdeckt er Céline (Julie Delpy), die ihn aus dem Hintergrund beobachtet. Sie lebt jetzt in Paris, er in New York. Noch am selben Abend wird er zurückfliegen, also nützen sie die verbleibende Zeit, um da anzuschließen, wo sie einst aufgehört hatten - mit der gleichen Energie, Begeisterung und Intensität wie vor neun Jahren in Wien. Ihr gemeinsamer Spaziergang durch Paris dauert so lange wie der Film - 80 Minuten. Fast nahtlos setzen sie ihre Gespräche von damals fort, gemeinsam besinnen sie sich auf jene ebenso seltene wie unwiderstehliche Liebe für das Unerwartete, das Unvorhergesehene - und für einander.
"Wiederum werden große Fragen verhandelt, Liebesdinge in erster Linie, aber es mangelt nicht an ironischer Brechung im rechten Moment, und vor allem mangelt es nicht an der Erdung der Dialoge in der Bindung an die beiden Charaktere. Die Prämisse des Sequels ist so einfach wie zwingend: BEFORE SUNSET nimmt den Faden da wieder auf, wo er im vorhergehenden Film abgerissen war. Die beiden sind die, die sie waren und sie sind es nicht. Im glaubwürdigen Umspielen dieses Selbstverhältnisses liegt eine der ganz großen Stärken des Films, und dass es für das Publikum ebenfalls neun Jahre her ist, das macht das wahrhaft Bezwingende dieses Fortsetzungs-Experiments aus. Das Drehbuch ist gut, in E-Mails von Kontinent zu Kontinent gemeinsam geschrieben von Linklater mit seinen Hauptdarstellern. Julie Delpy wie Ethan Hawke bringen ein weiteres Mal das große Kunststück fertig, dem Spiel den Schein der Natürlichkeit zu geben. Die Zeit vergeht wie im Flug, die Stadt tut, wie schon damals, wenig zur Sache, und von Minute zu Minute ist man mehr gespannt auf den Ausgang. Der selbstverständlich auch nicht verraten wird, nur so viel: Sehr schön ist das Ende, sehr charmant. Und überhaupt, um einen Schweizer Kollegen zu zitieren: 'S'isch e wundrbare Film'." (Jump Cut)
"Mit Teil zwei seiner cineastischen Charme-Offensive eroberte Richard Linklater in Berlin die Herzen von Presse und Publikum im Sturm." (Programmkino.de)
"Dieser Film ist oft herzzerreißend traurig, besonders wenn er fröhlich ist. Und herzzerreißend froh, wenn er traurig wird. Er ist vor allem intim. Gehen Sie allein rein oder zu vielen, eher nicht zu zwein. Es sei denn, Sie heißen Julie und Jesse, pardon, ich meine natürlich, Ethan und Céline." (Tagesspiegel)
"Dieses gewisse Besondere, mit dem Julie Delpy und Ethan Hawke damals einen vollkommen sensationslosen Film zum Schweben brachten, ist wieder da, und sie bringen auch den neuen Film zum Abheben. Linklater schafft es, die Sensibilität des Independentfilmers mit den Glückversprechen des Mainstream zu versöhnen." (Berliner Morgenpost)
|