Regie
Claude Chabrol


Buch
Odile Barski
Claude Chabrol


Kamera
Edouardo Serra


Schnitt
Monique Fardoulis


Musik
Matthieu Chabrol


Darsteller
Sandrine Bonnaire
Jacques Gamblin
Valeria Bruni-Tedeschi
Bulle Ogier
Bernard Verley
u.a.


Produzent
Marin Karmitz


Produktion
MK2 Productions
France 3 Cinéma


Verleih in Österreich
filmladen der Verleih des VOTIV KINOS


35 mm, 1 : 1,66, 103 Min., Farbe, OmU und DF, Dolby SRD


"Ein neuer Chabrol in alter Höchstform."
filmecho


"DIE FARBE DER LÜGE ist ein Meisterstück, bestechend und so etwas wie die Summe von Chabrols Lebenswerk. Chabrol hat schon oft ins Herz der Lüge blicken lassen; aber vielleicht noch nie in ein so privates, in jenes Herz, vom dem die erste Lüge ihren Ausgang nimmt: nämlich ins Herz der Liebe."
Berliner Zeitung


"Ausgehend von einem klassischen Krimistoff, setzt Claude Chabrols DIE FARBE DER LÜGE ein raffiniertes Verwirrspiel aus Zeichen und Hinweisen in Gang; gleichzeitig ist dieser Film eine brillante Reflexion über die Zweifelhaftigkeit jeglicher Wahrheit."
Le Monde


"Chabrol zeigt sich auch in seinem 51. Film so raffiniert, daß selbst der schlaueste Zuschauer am Ende das Gefühl haben wird, aus dem Mustopf zu kommen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung
DIE FARBE DER LÜGE

[Au coeur du mensonge] Frankreich 1998

Die Teller auf dem Küchenregal sind nicht das, was sie scheinen - der Maler René hat sie geschaffen, ein trompe l'oeil, ein Trugbild. Dennoch stößt sich der Besucher die Nase blutig. Denn das Regalbrett ist echt, kein Gemälde.

Auch Claude Chabrol schafft in seinem 51. Film Trugbilder, "die den Zuschauer zunächst auf Irrwege, dann auf Umwegen ins Herz der Lüge führen." (FAZ)

Alles beginnt mit einem Mordfall. In einem bretonischen Küstenort nahe St. Malo wird die zehnjährige Eloïse vergewaltigt und erdrosselt. Frédérique Lesage (Valeria Bruni-Tedeschi), eine junge, eben erst von Paris nach St. Malo versetzte Polizeikommissarin, verhört als erstes René (Jacques Gamblin), einen erfolglosen, von Selbstzweifeln geplagten Maler, der als Zeichenlehrer ein wenig Geld verdient. Weil er Eloïse, die bei ihm privat Unterricht genommen hat, als letzter lebend gesehen hat, ist er zunächst der einzige Tatverdächtige.

Ohne den Kriminalfall aus den Augen zu verlieren, wendet sich Chabrol den Menschen aus Renés Umgebung zu. Da ist seine Frau Viviane (Sandrine Bonnaire), die als Krankenschwester arbeitet und die Beziehungen zum Mikrokosmos der kleinen dörflichen Gesellschaft aufrechterhält. Entschlossen tritt sie der Kommissarin entgegen, die davon unbeirrt ihre Ermittlungen fortführt. Unterstützt wird Frédérique Lesage dabei vom Ortspolizisten Loudin, der sich in seiner kleinen Welt bestens auskennt. Und da ist Germain-Roland Desmot (Antoine de Caunes), ein von den Medien umschwärmter Journalist und Autor. Er ist ein Schmeichler, ein Frauenheld und ein großer Liebhaber von Zitaten, die er sich gern selbst zuschreibt. Viviane zeigt sich nicht unbeeindruckt von seinen Nachstellungen, und René kommt bald hinter ihre kleinen Lügen, die seinen großen Verdacht schüren. Dann ereignet sich ein zweiter Todesfall, und wieder könnte René etwas damit zu tun haben . . .

"Die Geschichte, die hier erzählt wird, spielt in der Provinz. Nicht daß man dort mehr lügen würde als anderswo: Schließlich ist ein Leben ohne Lüge nirgendwo möglich. In der Provinz aber, wo schnell alles bekannt wird, wendet man größere Sorgfalt auf das Lügen an. Man lügt, weil es nützlich ist: um den Anschein zu wahren, um den Besitzstand zu halten und manchmal auch, um seine Haut zu retten. Ein Mord ist geschehen. Der Mörder wird gesucht, die Verfolger setzen sich in Bewegung. Ob schuldig oder unschuldig, jeder klammert sich an sein eigenes Lügengebäude und gerät dennoch hinein in den Sog der Treibjagd. Die Schlupfwinkel, in die sich jeder zu retten versucht, sind immer schwieriger zu erreichen und bieten immer weniger Sicherheit. Je eifriger man nach der Wahrheit sucht, um so mehr verstrickt man sich im Netz des Lügengeflechts." (Drehbuchautorin Odile Barski)

"In den Filmen Claude Chabrols werden Risse sichtbar, aber um sie zu sehen, muß man schon genau hinschauen. Die Ruhe und die Schönheit malerischer französischer Landschaften finden in den Abgründen der Menschen ein jähes Ende. AU COEUR DU MENSONGE ist ein spätes, reifes Werk, die Arbeit eines alten Meisters. [. . .] Chabrol zeichnet seine Figuren mit einer solchen Präzision, daß hinter der Psychologie der Geschichte die äußere Form des Krimis fast verschwindet. Und Chabrol praktiziert beides, die Landschafts- und die Porträtmalerei, aber seine Liebe gehört den Gesichtern seiner Schauspieler, die er hier im kalten Blau der hereinbrechenden Nächte zu stillen, blassen Geheimnisträgern stilisiert: ein Thriller als ruhiges Dialogstück, eine souveräne Vermessung der verschwimmenden Grenzen zwischen Kunst und Leben." (Stefan Grissemann, Die Presse)

"Um Sein und Schein ist es dem erfahrenen Maskenkünstler Chabrol schon immer gegangen. So kunstfertig, mit Anleihen an die Malereigeschichte, und so tiefschürfend, mit dem Zitatenschatz der Weltliteratur, hat der eingefleischte Gesellschaftskritiker seine Untersuchungen allerdings selten angelegt. Daß er sich dafür Unterstützung vom Suspense-Meister Hitchcock holt, ist ebenfalls nicht neu, aber dieses Mal scheint es auch darum zu gehen, alte Rechnungen zu begleichen. [. . .] Es sieht so aus, als verschiebe Chabrol ganz bewußt Motive aus 'Psycho' und 'Vertigo' vom Krankhaft-Obsessionellen der Hitchcock-Figuren in das Atelier einer Künstlernatur oder in den Medienalltag eines Publizisten. Als Metapher und narratives Element dient ihm dafür in allen Schattierungen die Farbe Blau, die, wie er selbst sagt, für Wahn und Entfremdung stehe, die als Farbe des 'Verkennens' eben auch eine große Portion 'Erkennen' enthält. Der unscheinbare René wird damit zur Schlüsselfigur des Films. In ihm verschmelzen die Hitchcock-Figuren Bates und Scottie zu einem neuen Männertyp. Er wird schuldig, er lügt und legt doch alle Karten auf den Tisch, er offenbart, 'ein anderer' zu sein, aber in ihm tobt kein misogynes Vergeltungspotential. Renés und Vivianes Beziehung und ihre Liebe gehören ins Reich der Lebenden und nicht der Toten. [. . .] Durch die gezielte Verwendung und Umwertung der Hitchcock-Zitate unterstreicht Chabrol, daß sein Weg ein anderer ist, daß er längst das oberflächige Spielfeld der neurotischen bürgerlichen Gesellschaft verlassen hat und existentiellen Grundfragen nachspürt, zu denen bei ihm auch der Geschlechterantagonismus gehört." (Neue Zürcher Zeitung)

"Chabrol läuft mit diesem intelligenten und erstklassig besetzten Psychothriller wieder zu Höchstform auf. Detailfreudig und in mehreren Handlungssträngen seziert er die Verhaltensmuster des bourgeoisen Menschen, wenn er in die Enge getrieben wird. Dahinter tun sich moralische und zwischenmenschliche Abgründe auf. Chabrol hält voller Raffinesse die Lupe auf die Lüge, und er kehrt zugleich zu seinen Ursprüngen, zu seinen Wurzeln zurück, in das Netzwerk eines kleinen Dorfes [. . .], wo jeder jeden kennt und die Wahrheit ein fremder Gast ist." (filmecho)


 
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