Kaffee mit Milch und Stress

[Mielensapahoittaja] (finnische OmU) Regie: Dome Karukoski. Mit: Antti Litja, Petra Frey, u. a. Finnland 2014, 104 Min., Farbe

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Früher war die Welt für den Alten in Ordnung. Da baute der Mann ein Haus, die Frau kümmerte sich um die Kinder, Banker waren ehrlich und Autos für die Ewigkeit gebaut. Man arbeitete hart, kam gemeinsam in die Jahre und war am Ende seines Lebens füreinander da. Gute alte Zeit. Nun aber besucht der Alte seine Frau (Petra Frey) jeden Tag im Krankenhaus, und sein roter Ford Escort (Baujahr 72) ist alles, was ihm geblieben ist. Als er eines Tages stürzt und kaum noch gehen kann, wird er zu seinem Sohn und dessen Frau Liisa in die Stadt verfrachtet. Und dort treffen Welten aufeinander. Dass er nicht mit Mikrowelle und Smartphone klarkommt: geschenkt. Dass sein Sohn aber so ein Weichei ist und total unter der Fuchtel seiner Frau steht, die das Geld nach Hause bringt und noch dazu im Auto am Steuer sitzt, macht dem Alten so richtig schlechte Laune. Und wenn er die hat, dann ist nicht nur sein Tag ruiniert. So wird jedes Gespräch zum Schlachtfeld, wie ein Orkan zieht er eine Schneise der Verwüstung durch das geordnete Leben der "Kinder". Und die sind kurz davor, bei den prähistorischen Ansichten des Alten an die Decke zu gehen. Nicht lange und die Zwangsgemeinschaft steht vor dem Kollaps. Doch hinter dem wütenden alten Herrn steckt mehr, als die Jungen dachten. Und auch der Alte beginnt zu spüren, dass er noch eine ganze Menge lernen kann.
Mit herrlich trockenem und mitunter politisch höchst unkorrektem Humor lässt Regisseur Dome Karukoski Generationen aufeinanderprallen. Dass früher alles besser war, weiß man ja. Wie schlecht die Welt jedoch wirklich geworden ist, hat man selten so wunderbar überzeugend gehört wie aus dem Mund des Alten, der vergangenen Zeiten mit wüsten Beschimpfungen auf das Heute nachtrauert und so ziemlich über alles herzieht, was ihm an modernen Absurditäten in die Quere kommt. Doch weil in allem ein Funken Wahrheit steckt, kann man gar nicht anders, als den alten Grantler ins Herz zu schließen. So entwickelt sich FRÜHER WAR ALLES BESSER vom anfänglichen "Clash of Generations" zur tragikomischen und liebenswerten Geschichte, die erahnen lässt, dass Toleranz und Offenheit für Neues weit mehr ist als eine Frage des Alters.
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