CHAOS
CHAOS
Heya Fawda

Ägypten/Frankreich 2007
122 Minuten, OF m. engl. UT

Samstag, 28. 1. 2012, 20.00 Uhr
Cineplexx Graz, Saal 9

 

Choubra ist ein kosmopolitisches Viertel in Kairo. Hatem, ein korrupter Cop hält die Nachbarschaft fest in seiner Hand. Es gibt kaum jemanden, der ihn nicht hasst und wie die Pest meidet. Einzig jene Frau, hinter der er her ist, wagt es sich ihm in den Weg zu stellen. Nours Herz jedoch schlägt für einen anderen, der genau das Gegenteil von Hatem verkörpert: Sherif ist ein aufrichtiger und unverfälschter Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, der für die Werte in der Gesellschaft kämpft. Das Chaos ist somit vorprogrammiert. Hatem will Nour mit allen Mitteln gewinnen und ihr Leben entwickelt sich zu einem Albtraum.

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Regie: Youssef Chahine, Khaled Youssef
Drehbuch: Nasser Abdel Rahman
Kamera: Ramses Marzouk
Schnitt: Rabab Abdel Latif
Musik: Yasser Abdel-Rahman
Art Director: Hamed Hemdan
Kostüme: Monia Fath El Bab
Effekte: Abbas Saber
Produktion: Gabriel Khoury, Jean Brehat, Rachid Bouchareb für Misr International, in Kooperation mit 3B Productions, FRANCE 2 CINEMA
Mit: Khaled Saleh (Hatem); Mena Shalaby (Nour); Youssef El Sherif (Sherif); Hala Sedky; Hala Fakher; Amr Abdel Guélil; Ahmed Fouad Selim

Die Kombination aus der schonungslosen Herangehensweise Youssef Chahines und der spektakulären Erzählweise Khaled Youssefs führt mit „Heya Fawda“ zu einem überwältigenden Erfolg, der den Aufschwung des modernen ägyptischen Kinos veranschaulicht. Beide Regisseure haben eigene Berührungspunkte mit dieser sozio-politischen Geschichte und sprechen weit verbreitete Sorgen der ägyptischen Gesellschaft an. Die Storyline widerlegt jedoch die pessimistische Wahrnehmung der Ägypter als passive Individuen, die durch Herrschaft von Korruption und Unterdrückung manipuliert sind.

Die Handlung führt uns durch die unterschiedlichen Triebe des Lebens, angefangen von Macht und Selbstverwirklichung, bis hin zur Liebe in ihren verschiedenen Formen – von der Unschuld der Jungfräulichkeit bis zur sadistischen Besitznahme. Der Film spielt außerdem mit der Definition des Bösewichts, in dem es paradoxe Gefühle hervorruft. Es sind Ambivalenzen, soziale und psychologische Veränderungen betreffend, vor einem Hintergrund von Verlust und Entbehrung, der als Rechtfertigung für das eigene Handeln dient. Der Film porträtiert die Gesellschaft an einem Wendepunkt. Aus psychoanalytischer Sicht entspricht Hatem Darwins Kind, das sein Dasein in der Furcht vor der Kastration verbringt. Er wird zugleich getrieben von seiner Lust, bis diese sogar seine reinsten Gefühle untergräbt und ihn zum größten Übel der Gesellschaft macht. Die politischen Implikationen der Figur des Hatem jedoch führen über die Tatsache hinaus, dass sich ein Teil der Gesellschaft nicht verändern will. Es stellt sich der Eindruck ein, dass die Kälte des Kapitalismus vieles für immer zerstört hat und zunehmend ins Chaos reißt. Auf der anderen Seite verweisen die Charaktere Nour und Sherif auf eine Zukunft, oder besser auf den Traum einer Zukunft. Beide leben einen Albtraum, vergiftet vom selben Wasser. Sie versuchen der Schlammlawine zu entkommen, die ihre Hoffnungen auf ein besseres Morgen bedroht. Kurz vorm Ertrinken gelingt es ihnen jedoch einen flüchtigen Blick über ihr geplagtes Leben hinaus auf eine bessere Gesellschaft erhaschen.

Zweifellos ist mit der Verschmelzung von Youssef Chahine und Khaled Youssef eine Meisterleistung gelungen. „Heya Fawda“ ist einer der wenigen arabischen Filme, der sich melodramatischen Überspitzungen verweigert, auch auf die Gefahr hin, den Zuschauer zu provozieren. Und dennoch lassen die großartigen Metaphern in diesem Multi-Genre Film viele Bedeutungsebenen zu. Der Film ist eine Dokumentation von Leidenschaft, Konflikt, politischen Intrigen – die ägyptische Gesellschaft „uncovered“.

(frei übersetzt nach einem User-Beitrag auf imdb.com)

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